Nürburgring Steckbrief & Bilder

Der Nürburgring ist ein Motorsportkomplex mit einer Kapazität von 150.000 Personen, der sich in der Stadt Nürburg in Rheinland-Pfalz befindet. Er verfügt über eine 1984 erbaute Grand-Prix-Rennstrecke und eine viel längere Nordschleifenstrecke, die in den 1920er Jahren um das Dorf und die mittelalterliche Burg Nürburg in der Eifel gebaut wurde. Die Nordschleife ist 20,8 km lang und weist einen Höhenunterschied von mehr als 300 Metern vom niedrigsten zum höchsten Punkt auf. Jackie Stewart gab der alten Strecke den Spitznamen „Die Grüne Hölle“. Ursprünglich bestand die Strecke aus vier Konfigurationen: der 28,265 km langen Gesamtstrecke („Whole Course“), die wiederum aus der 22,810 km langen Nordschleife („Nordschleife“) und der 7,747 km langen Südschleife („Südschleife“) bestand. Um den Boxenbereich herum gab es auch eine 2,281 km lange Aufwärmschleife, die Zielschleife oder Betonschleife genannt wurde. 1982 bis 1983 wurde der Start-/Zielbereich abgerissen, um eine neue GP-Strecke zu schaffen, die für alle großen und internationalen Rennveranstaltungen genutzt wird. Die verkürzte Nordschleife wird jedoch nach wie vor für Rennen, Tests und den öffentlichen Zugang genutzt.

Geschichte

1925–1939: Der Beginn des „Nürburg-Rings“

1907 wurde das erste Eifelrennen auf dem einmaligen Taunus-Rundkurs ausgetragen, einem 117 km langen öffentlichen Straßenkurs, der zwischen den Städten Wehrleim und Saalburg nördlich von Frankfurt begann. Anfang der 1920er Jahre wurden die ADAC-Eifelrennen auf dem 33,2 km langen kurvenreichen öffentlichen Straßenkurs von Nideggen bei Köln und Bonn ausgetragen. Irgendwann um 1925 wurde der Bau einer eigenen Rennstrecke südlich des Nideggen-Rundkurses um das alte Schloss der Stadt Nürburg vorgeschlagen, nach dem Vorbild der italienischen Rennstrecken Monza und Targa Florio und der Berliner AVUS, jedoch mit einem anderen Charakter. Das Layout der Rennstrecke in den Bergen ähnelte der Targa Florio, einem der wichtigsten Autorennen der damaligen Zeit. Der ursprüngliche Nürburgring sollte ein Schaufenster für deutsche Automobiltechnik und Renntalente sein. Der Bau der vom Ravensburger Architekturbüro Eichler (unter der Leitung des Architekten Gustav Eichler) entworfenen Strecke begann im September 1925.
Die Strecke wurde im Frühjahr 1927 fertiggestellt, und die ADAC-Eifelrennen wurden dort fortgesetzt. Die ersten Rennen, die am 18. Juni 1927 stattfanden, zeigten Motorräder und Beiwagen. Das erste Motorradrennen wurde von Toni Ulmen auf einer englischen 350-cm³-Velocette gewonnen. Die Autos folgten einen Tag später, und Rudolf Caracciola siegte in der Klasse über 5000 ccm auf einer Mercedes-Benz Compressor. Darüber hinaus wurde die Strecke abends und an den Wochenenden als mautpflichtige Einbahnstraße für die Öffentlichkeit geöffnet. Die gesamte Strecke bestand aus 174 Kurven (vor den Änderungen von 1971) und war im Durchschnitt 8 bis 9 Meter breit. Die schnellste Zeit, die jemals auf der gesamten Gesamtstrecke gefahren wurde, fuhr Louis Chiron mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 112,31 km/h (72 mph) in seinem Bugatti.
1929 wurde der volle Nürburgring zum letzten Mal für große Rennveranstaltungen genutzt, da die zukünftigen Grands Prix nur noch auf der Nordschleife ausgetragen werden sollten. Motorräder und kleinere Rennen nutzten vor allem die kürzere und sicherere Südschleife. Bei den denkwürdigen Vorkriegsrennen auf der Rennstrecke kamen die Talente früher Ringmeister wie Rudolf Caracciola, Tazio Nuvolari und Bernd Rosemeyer zum Einsatz.

1947–1970: „Die grüne Hölle“

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Rennsport 1947 wieder aufgenommen, und 1951 wurde die Nordschleife des Nürburgrings im Rahmen der Formel-1-Weltmeisterschaft wieder zum Hauptveranstaltungsort des Großen Preises von Deutschland (mit Ausnahme von 1959, als er auf der AVUS in Berlin ausgetragen wurde). Es entstand eine neue Gruppe von Ringmeistern, die das Rennen dominierten – Alberto Ascari, Juan Manuel Fangio, Stirling Moss, Jim Clark, John Surtees, Jackie Stewart und Jacky Ickx.
Am 5. August 1961, während des Trainings für den Großen Preis von Deutschland 1961, war Phil Hill der erste Mensch, der eine Runde auf der Nordschleife in weniger als 9 Minuten absolvierte, mit einer Runde von 8 Minuten 55,2 Sekunden (153,4 km/h) im Ferrari 156 „Sharknose“ Formel 1-Auto. Mehr als ein halbes Jahrhundert später haben selbst die leistungsstärksten Strassenautos immer noch Schwierigkeiten, ohne einen professionellen oder mit der Strecke bestens vertrauten Rennfahrer 8 Minuten zu fahren. Außerdem wurden mehrere Läufe zum Großen Preis von Deutschland auf dem Motorrad ausgetragen, meist auf der 7,7 km langen Südschleife, aber der Hockenheimring und der Solitudering waren die Hauptstandorte für Motorrad-Grand-Prix-Rennen.
1953 wurde das ADAC 1000 km Nürburgring-Rennen eingeführt, ein Langstreckenrennen und Sportwagenrennen, das jahrzehntelang zur Sportwagen-Weltmeisterschaft zählte. 1970 kam das 24-Stunden-Rennen Nürburgring für Tourenwagenrennen hinzu.
Ende der 1960er Jahre wurden die Nordschleife und viele andere Strecken für die neueste Generation von F1-Fahrzeugen immer gefährlicher. Im Jahr 1967 wurde vor der Start-/Zielgeraden eine Schikane, genannt Hohenrain, eingebaut, um die Geschwindigkeit bei der Einfahrt in die Boxengasse zu reduzieren. Dadurch wurde die Strecke 25 m länger. Doch selbst diese Änderung reichte nicht aus, um Stewart nach seinem Sieg beim Großen Preis von Deutschland 1968 bei strömendem Regen und dichtem Nebel davon abzuhalten, sie „Die Grüne Hölle“ zu nennen. 1970, nach dem tödlichen Unfall von Piers Courage in Zandvoort, beschlossen die F1-Piloten beim Großen Preis von Frankreich, den Nürburgring zu boykottieren, sofern keine größeren Änderungen vorgenommen würden, wie sie es im Jahr zuvor in Spa getan hatten. Die Änderungen waren kurzfristig nicht möglich, und der deutsche GP wurde auf den bereits modifizierten Hockenheimring verlegt.

1971–1983: Änderungen

Entsprechend den Forderungen der F1-Fahrer wurde die Nordschleife umgebaut, indem einige Unebenheiten beseitigt, einige plötzliche Sprünge (vor allem in Brünnchen) geglättet und Armco-Sicherheitsbarrieren installiert wurden. Die Strecke wurde der Rennlinie folgend begradigt, was die Anzahl der Kurven reduzierte. Der deutsche GP konnte wieder auf dem Nürburgring ausgetragen werden, und zwar für weitere sechs Jahre von 1971 bis 1976.
1973 wurde die Einfahrt in die gefährliche und holprige Kallenhard-Kurve verlangsamt, indem nach der schnellen Metzgesfeld-Kurve eine weitere Linkskurve hinzugefügt wurde. Später wurde die Sicherheit noch einmal verbessert, z.B. indem die Sprünge auf der langen Hauptgeraden entfernt und verbreitert wurden und die Büsche direkt neben der Strecke auf der Hauptgeraden entfernt wurden, die diesen Abschnitt des Nürburgrings gefährlich eng gemacht hatten. Eine zweite Serie von drei weiteren F1-Rennen wurde bis 1976 durchgeführt. Doch vor allem wegen der Länge von über 22 Kilometern und des Platzmangels durch die Lage an den Berghängen waren die steigenden Anforderungen der F1-Fahrer und der CSI-Kommission der FIA zu teuer oder gar nicht zu erfüllen. So benötigte der Große Preis von Deutschland bis in die 1970er Jahre beispielsweise fünfmal mehr Marschälle und medizinisches Personal als ein typisches F1-Rennen, was die deutschen Veranstalter nicht bereit waren, bereitzustellen. Zudem war es selbst mit den Modifikationen von 1971 immer noch möglich, dass Autos von der Strecke abheben konnten. Auch für den aufkeimenden Fernsehmarkt war der Nürburgring ungeeignet; seine enorme Ausdehnung machte es fast unmöglich, dort effektiv über ein Rennen zu berichten. Deshalb wurde zu Beginn der Saison beschlossen, dass das Rennen 1976 das letzte auf der alten Rennstrecke sein sollte.
Niki Lauda, amtierender Weltmeister und einziger Mensch, der jemals die volle 22.835-Meter-Nordschleife in weniger als sieben Minuten (6:58,6, 1975) überquerte, schlug den anderen Fahrern 1976 einen Boykott der Strecke vor. Lauda war nicht nur wegen der Sicherheitsvorkehrungen und des Mangels an Streckenposten auf der Rennstrecke besorgt, sondern auch wegen der Aussicht, das Rennen in einem weiteren Regensturm zu fahren. In der Regel waren zum Zeitpunkt dieses Ereignisses einige Teile der Rennstrecke nass und andere trocken, so wie die Bedingungen auf der Rennstrecke für dieses Rennen waren. Die anderen Fahrer stimmten gegen diese Idee, und das Rennen ging weiter. Lauda stürzte in seinem Ferrari, als er vor Bergwerk aus dem Linksknick herauskam, nachdem ein neues Magnesiumbauteil an der Hinterradaufhängung seines Ferrari versagte. Er erlitt schwere Verbrennungen, da sein Auto in Runde 2 noch mit Benzin gefüllt war. Lauda wurde nicht durch die schlecht ausgerüsteten Streckenposten gerettet, sondern durch die gemeinsamen Aktionen seiner Fahrerkollegen Arturo Merzario, Guy Edwards, Brett Lunger und Harald Ertl.
Der Unfall zeigte auch, dass die Streckenabstände für normale Feuerwehr- und Krankenwagen zu lang waren, obwohl die „ONS-Staffel“ mit einem Porsche 911 Rettungswagen, gekennzeichnet (R), ausgestattet war. Auf dem alten Nürburgring fand nie wieder ein F1-Rennen statt, denn der Große Preis von Deutschland wurde für 1977 auf den Hockenheimring verlegt. Der Motorrad-Grand-Prix von Deutschland wurde 1980 zum letzten Mal auf dem alten Nürburgring ausgetragen, ebenfalls dauerhaft nach Hockenheim verlegt.
Es lag in der Natur der Sache, dass die Nordschleife in ihrer alten Konfiguration nicht sicher zu machen war. Es wurde bald klar, dass sie komplett überholt werden musste, wenn es eine Aussicht auf eine Rückkehr der Formel 1 geben sollte – die Verwaltung des Nürburgrings und die Rennleitung waren nicht bereit, die enormen Kosten für die Bereitstellung der für einen Grand Prix erforderlichen Anzahl von Streckenposten zu übernehmen – bis zum Sechsfachen des Bedarfs der meisten anderen Rennstrecken. Vor diesem Hintergrund begannen 1981 die Arbeiten an einer 4,5 km langen neuen Rennstrecke, die auf und um das alte Boxengelände herum gebaut wurde.
Gleichzeitig verkürzte eine Umgehungsstraße die Nordschleife auf 20.832 m, und mit einer zusätzlichen kleinen Boxengasse wurde diese Version 1983 für Rennen, z.B. das 1000 km lange Langstreckenrennen Nürburgring, genutzt, während in der Nähe Bauarbeiten liefen. Im Qualifying für dieses Rennen drehte der verstorbene Stefan Bellof mit seinem Porsche 956 eine Runde von 6:11.13 auf der 20,8 km langen Nordschleife, was einem Durchschnitt von 199,8 km/h entspricht. Diese Runde hielt 35 Jahre lang den Allzeitrekord (zum Teil deshalb, weil dort seit 1984 kein größeres Rennen mehr stattfand), bis sie am 29. Juni 2018 von Timo Bernhard im Porsche 919 Hybrid Evo übertroffen wurde, der die etwas längere Version der Strecke in 5:19,546 – mit durchschnittlich 233,8 km/h – fuhr.
In der Zwischenzeit wurden an Ecken wie Aremberg und Brünnchen, wo es ursprünglich nur durch Armco-Barrieren geschützte Böschungen gab, weitere Abflussbereiche hinzugefügt. Der Streckenbelag wurde an einigen Stellen, an denen es hässliche Stöße und Sprünge gegeben hatte, sicherer gemacht. Auch in den Kurven rund um die Strecke wurden Rennlinienmarkierungen angebracht. Außerdem wurden Büsche und Hecken an den Rändern der Kurven entfernt und durch Armco und Gras ersetzt.
Die ehemalige Südschleife war 1970/71 nicht verändert worden und wurde einige Jahre später zugunsten der verbesserten Nordschleife aufgegeben. Heute ist sie größtenteils verschwunden (zum Teil wegen des Baus der neuen Rennstrecke) oder in eine normale öffentliche Straße umgewandelt, aber seit 2005 findet auf der alten Streckenführung, einschließlich eines Teils des Parkplatzes, eine Oldtimer-Veranstaltung statt.

Quelle: Wiki

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Emilia Wellington

Verfasst von

Emilia Wellington

Emilia gehört zu den Gründungsmitgliedern des ScreenHaus Magazins. Sie interessiert sich für die Themen Ernährung, Reisen, Sport und neue Technologien und wird beim Black Friday regelmäßig schwach :)

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