Sanssouci Steckbrief & Bilder

Sanssouci war das Sommerschloss Friedrichs des Großen, König von Preußen, in Potsdam in der Nähe von Berlin. Es wird oft zu den deutschen Rivalen von Versailles gezählt. Zwar ist Sanssouci im intimeren Rokoko-Stil gehalten und weitaus kleiner als sein französisches Barock-Pendant, doch auch es ist bemerkenswert für die zahlreichen Tempel und Follies im Park. Das Schloss wurde von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff zwischen 1745 und 1747 entworfen/errichtet, um König Friedrich das Bedürfnis nach einer privaten Residenz zu erfüllen, in der er sich vom Prunk und der Zeremonie des Berliner Hofes erholen konnte. Der Name des Schlosses unterstreicht dies; es ist ein französischer Ausdruck (sans souci), der „ohne Sorgen“ bedeutet, was übersetzt „ohne Sorgen“ oder „sorgenfrei“ bedeutet und symbolisiert, dass das Schloss eher ein Ort der Entspannung als ein Sitz der Macht war. In früheren Zeiten spiegelte der Name ein Wortspiel wider, wobei zwischen den Wörtern Sans und Souci ein Komma sichtbar war, nämlich Sans, Souci. Kittsteiner geht davon aus, dass es sich dabei um ein philosophisches Wortspiel handeln könnte, das „ohne Sorgen/Beunruhigung“ bedeutet, oder um eine geheime persönliche Botschaft, die niemand interpretiert hat und die der Nachwelt von Friedrich II. hinterlassen wurde.
Sanssouci ist kaum mehr als eine große, einstöckige Villa – mehr wie das Château de Marly als Versailles. Mit nur zehn Haupträumen wurde sie auf der Stirn eines terrassenförmig angelegten Hügels in der Mitte des Parks errichtet. Der Einfluss von König Friedrichs persönlichem Geschmack bei der Gestaltung und Dekoration des Schlosses war so groß, dass sein Stil als „frederizianisches Rokoko“ charakterisiert wird, und seine Gefühle für das Schloss waren so stark, dass er es als „einen Ort, der mit ihm sterben würde“ betrachtete. Wegen einer Meinungsverschiedenheit über den Standort des Schlosses im Park wurde Knobelsdorff 1746 entlassen. Jan Bouman, ein holländischer Architekt, vollendete das Projekt.

Im 19. Jahrhundert wurde der Palast zur Residenz von Friedrich Wilhelm IV. Er beauftragte den Architekten Ludwig Persius mit der Restaurierung und Erweiterung des Schlosses, während Ferdinand von Arnim damit beauftragt wurde, die Anlage und damit die Aussicht vom Schloss aus zu verbessern. Die Stadt Potsdam mit ihren Schlössern war bis zum Sturz der Hohenzollern 1918 ein beliebter Wohnort der deutschen kaiserlichen Familie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss zu einer Touristenattraktion in Ostdeutschland. Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 wurde Friedrichs Leichnam in das Schloss zurückgebracht und in einem neuen Grab mit Blick auf die von ihm angelegten Gärten beigesetzt. Sanssouci und seine weitläufigen Gärten wurden 1990 unter dem Schutz der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt; 1995 wurde die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gegründet, die sich um Sanssouci und die anderen ehemaligen kaiserlichen Schlösser in und um Berlin kümmert. Diese Schlösser werden heute jährlich von mehr als zwei Millionen Menschen aus aller Welt besucht.

Garten von Sanssouci

Ethos von Sanssouci

Die Lage und Anordnung von Sanssouci über einem Weinberg spiegelte das vorromantische Ideal der Harmonie zwischen Mensch und Natur in einer von Menschenhand geordneten Landschaft wider. Der Weinbau sollte jedoch nach der Gestaltung des Schlosses und der Lustgärten den zweiten Platz einnehmen. Der Hügel, auf dem Friedrich seinen Terrassenweinberg anlegte, sollte zum Mittelpunkt seiner Herrschaft werden, gekrönt von dem neuen, aber kleinen Schloss – „mein Weinberghäuschen“, wie Friedrich es nannte. Mit seinen weitläufigen Aussichten auf die Landschaft inmitten der Natur wollte Friedrich dort sans souci („ohne Sorge“) residieren und seinen persönlichen und künstlerischen Interessen nachgehen. Daher war das Schloss nur während der Sommermonate, von Ende April bis Anfang Oktober, für den Gebrauch Friedrichs und seiner privaten Gäste vorgesehen – seine Skizze (Abbildung) zeigte die ausgewogenen Suiten „pour les etrangers“ und „pour le roy“ an.
Zwanzig Jahre nach seiner Gründung von Sanssouci baute Friedrich das Neue Palais im westlichen Teil des Parks. Dieses weitaus größere Palais stand in direktem Kontrast zu dem entspannten Ethos hinter Sanssouci und zeigte Friedrichs Macht und Stärke im Barockstil der Welt. Die Gestaltung des Neuen Schlosses sollte zeigen, dass Preußens Fähigkeiten trotz der Beinahe-Niederlage im Siebenjährigen Krieg ungebrochen waren. Friedrich machte keinen Hehl aus seiner Absicht und bezeichnete den Neubau sogar als seine „Fanfaronnade“ („Angeberei“). Diese Vorstellung von einem großen Schloss, das beeindrucken sollte, führte zum Vergleich der Schlösser von Potsdam mit Versailles, wobei Sanssouci in die Rolle eines der Trianons gedrängt wurde. Diese Analogie ist zwar leicht verständlich, lässt jedoch die ursprünglichen Vorzüge des Konzepts von Sanssouci außer Acht, dem Schloss, für das der gesamte Park und die Umgebung geschaffen wurden. Anders als die Trianons war Sanssouci kein nachträglicher Gedanke, um dem größeren Schloss zu entgehen, aus dem einfachen Grund, dass das größere Schloss zur Zeit von Sanssoucis Konzeption nicht existierte; und als es einmal existierte, hielt sich Friedrich fast nie im Neuen Schloss auf, außer bei seltenen Gelegenheiten, wenn er Diplomaten bewirtete, die er beeindrucken wollte. Es ist jedoch wahr, dass Sanssouci eher als privater Rückzugsort gedacht war und nicht als ein Ort der Zurschaustellung von Macht, Stärke und architektonischen Verdiensten. Im Gegensatz zu den Trianons sollte Sanssouci ein Ganzes für sich sein.

Sanssouci ist klein, der Hauptblock (oder Corps de logis) besteht aus einer schmalen einstöckigen Enfilade von nur zehn Räumen, einschließlich eines Dienstgangs und dahinter liegenden Personalräumen. Friedrichs Amateurskizze von 1745 (oben abgebildet) zeigt, dass sein Architekt Knobelsdorff in Sanssouci mehr Zeichner als Architekt war. Friedrich scheint keine Vorschläge zur Änderung seiner Pläne akzeptiert zu haben und lehnte Knobelsdorffs Idee ab, dass das Schloss ein halbunterkellertes Stockwerk haben sollte, das nicht nur näher gelegene Servicebereiche zur Verfügung gestellt hätte, sondern auch die Haupträume auf eine erhöhte Klaviernische gesetzt hätte. Dies hätte dem Schloss nicht nur eine souveränere Präsenz verliehen, sondern auch die Feuchtigkeitsprobleme verhindert, zu denen das Schloss seit jeher neigt. Friedrich wünschte sich jedoch einen intimen Palast zum Wohnen: Anstatt beispielsweise eine große Anzahl von Stufen zu erklimmen, wollte er den Palast sofort vom Garten aus betreten. Er bestand auf einem ebenerdigen Gebäude, dessen Sockel der Hügel war: kurz gesagt, es sollte ein privates Freudenhaus sein. Sein immer wiederkehrendes Thema und seine Forderung war ein Haus mit einer engen Verbindung zwischen seinem Stil und der freien Natur. Die Haupträume, die durch hohe, schlanke Fenster erhellt werden, sind nach Süden über den Weinbergsgärten ausgerichtet; die Nordfassade ist die Eingangsfront, wo ein halbkreisförmiger Ehrenhof durch zwei segmentierte korinthische Kolonnaden geschaffen wurde.
Im Park, östlich des Schlosses, befindet sich die Gemäldegalerie Sanssouci, die von 1755 bis 1764 unter der Leitung des Architekten Johann Gottfried Büring erbaut wurde. Sie steht an der Stelle eines ehemaligen Gewächshauses, in dem Friedrich tropische Früchte züchtete. Die Gemäldegalerie ist das älteste erhaltene Museum, das für einen Herrscher in Deutschland gebaut wurde. Wie das Schloss selbst ist es ein langgestreckter, niedriger Bau, der von einem zentralen, gewölbten Bogen mit drei Jochen dominiert wird.
Nach dem Tod Friedrichs begann eine neue Ära, deren sichtbares Zeichen der Wandel der Architekturstile war. Der Neoklassizismus, der anderswo in Europa populär war, aber von Friedrich ignoriert wurde, fand nun während der Regierungszeit des neuen Königs Friedrich Wilhelm II. seinen Weg nach Potsdam und Berlin. Er befahl den Bau eines neuen Schlosses im neuen, modischeren Stil und hielt sich nur gelegentlich in Sanssouci auf.
Der Empfang und die Schlafzimmer wurden unmittelbar nach Friedrichs Tod renoviert und vollständig umgebaut. Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff erhielt den Auftrag für die Renovierung. Während Friedrich zwischen 1763 und 1769 das Neue Schloss im Barockstil erbaute, hatte Erdmannsdorff, ein Verfechter des neuen klassizistischen Stils, mit Schloss Wörlitz im Wörlitzer Park das erste klassizistische Schloss in Deutschland geschaffen. Aufgrund seines Einflusses wurde Sanssouci als erstes der Schlösser in Potsdam und Berlin mit einer neoklassizistischen Innenausstattung umgestaltet. 1797 wurde Friedrich Wilhelm II. von Friedrich Wilhelm III. abgelöst; er besuchte Sanssouci noch seltener als sein Vater und zog es vor, die Sommermonate im Schloss Paretz oder auf der Berliner Pfaueninsel zu verbringen.

Quelle: Wiki

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Emilia Wellington

Verfasst von

Emilia Wellington

Emilia gehört zu den Gründungsmitgliedern des ScreenHaus Magazins. Sie interessiert sich für die Themen Ernährung, Reisen, Sport und neue Technologien und wird beim Black Friday regelmäßig schwach :)

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