Wasserreh Steckbrief – Lebensraum, Lebensweise, Gefangenschaft

Wasserreh Steckbrief – Lebensraum, Lebensweise, Gefangenschaft

Der Wasserhirsch (Hydropotes inermis) ist ein kleiner Hirsch, der oberflächlich betrachtet eher einem Moschushirsch als einem echten Hirsch ähnelt.

Er ist in China und Korea beheimatet und es gibt zwei Unterarten:

  • den chinesischen Wasserhirsch (Hydropotes inermis inermis) und den
  • koreanischen Wasserhirsch (Hydropotes inermis argyropus).

Trotz einiger anatomischer Besonderheiten, darunter ein Paar hervorstehender Stoßzähne (nach unten gerichtete Eckzähne) und das Fehlen eines Geweihs, wird er zu den Hirschartigen gezählt.

Seine einzigartigen anatomischen Merkmale haben jedoch dazu geführt, dass er in eine eigene Gattung (Hydropotes) und eine eigene Unterfamilie (Hydropotinae) eingeordnet wurde.

Seine auffälligen Hauer, die denen des Moschushirsches ähneln, haben dazu geführt, dass beide Unterarten in englischsprachigen Gebieten, in die sie eingeführt wurden, umgangssprachlich Vampirhirsche genannt werden. Die Art wird von der IUCN als gefährdet eingestuft. Erstmals beschrieben wurde sie in der westlichen Welt von Robert Swinhoe im Jahr 1870

Das Wasserreh hat eine Widerristhöhe von etwa 50 cm bei einem Gewicht um die 15 kg. Es ist ein telemetacarpaler Hirsch. Die Böcke tragen keine Geweihe, dafür aber stark verlängerte Oberkiefer-Eckzähne, die wie Dolche aus dem Maul herausragen. Die Gestalt ist hinten überbaut.

Die breiten Klauen verhindern das Einsinken in den weichen Untergrund, auf dem das Wasserreh sich vorzugsweise aufhält. Das Fell ist rauh, mit reichlich Grannen und spärlicher Unterwolle. Im Sommer ist die Farbe gelbbraun mit hellerer Rückenmitte. Die Unterseite ist weiß. Im Winter ist das Fell dunkelbraun. Der Schwanz erinnert in seiner Kürze an den des Rehs.

Lebensraum & Verbreitung

Wasserhirsche sind am Unterlauf des Jangtse-Flusses, in der Küstenprovinz Jiangsu (Yancheng Coastal Wetlands) und auf den Inseln von Zhejiang in Ost-Zentral-China sowie in Korea beheimatet, wo die entmilitarisierte Zone einen geschützten Lebensraum für eine große Anzahl darstellt.

Der koreanische Wasserhirsch (Hydropotes inermis argyropus) ist eine der beiden Unterarten des chinesischen Wasserhirsches. Während die Population der chinesischen Unterart in China vom Aussterben bedroht ist, ist die koreanische Unterart in Südkorea weit verbreitet.

In China findet man Wasserhirsche auf den Zhoushan-Inseln in Zhejiang (600-800), in Jiangsu (500-1.000), Hubei, Henan, Anhui (500), Guangdong, Fujian, am Poyang-See in Jiangxi (1.000), in Shanghai und Guangxi.

In Süd- und Westchina sind sie inzwischen ausgestorben.
Seit 2006 wurde der Wasserhirsch in Shanghai wieder angesiedelt, wobei die Population von 21 Tieren im Jahr 2007 auf 227 bis 299 Tiere im Jahr 2013 anstieg. In Korea sind Wasserhirsche landesweit anzutreffen und werden als Gorani (고라니) bezeichnet.

Wasserhirsche bewohnen das Land entlang von Flüssen, wo sie durch hohes Schilf und Binsen vor Blicken geschützt sind. Man sieht sie auch auf Bergen, in Sümpfen, auf Wiesen und sogar auf offenen Feldern.

Wasserhirsche sind geschickte Schwimmer und können mehrere Kilometer weit schwimmen, um abgelegene Flussinseln zu erreichen. Chinesische Wasserhirsche gibt es heute im Vereinigten Königreich, in Frankreich und Argentinien sowie teilweise in den Vereinigten Staaten.

Lebensweise

Wasserrehe leben einzeln, paarweise oder als Mutterfamilie, bestehend aus dem Muttertier und den Jungen des letzten Wurfes. In seinen Einständen führt das Wasserreh eine versteckte Lebensweise. Es ist vorwiegend am Tage unterwegs.

Vor Gefahren drückt es sich ins Dickicht und springt erst auf, wenn sich der Gegner in unmittelbarer Nähe befindet. Die Flucht endet nach kurzer Strecke in einem neuen Versteck. Wasserrehe können gut schwimmen.

Fortpflanzung

Die Brunftzeit dieser Hirschart fällt in den Dezember. Bei Revalenkämpfen stehen die Böcke einander Kopf neben Kopf gegenüber. Sie versuchen dann, sich gegenseitig ihre Hauer in die Nacken- und Halsregion zu schlagen. Sie reißen sich dabei tiefe Wunden. Die Kämpfe enden erst, wenn einer der Widersacher das Feld räumt.
Die Tragzeit dauert 180 bis 200 Tage. Ein Wurf besteht aus bis zu 3 Jungen.

Gefangenschaft

In England und Frankreich wird das Wasserreh mancherorts als Parkwild gehalten. Es gedeiht dort so gut, dass es zum Beispiel in Südengland schon in freier Wildbahn vorgedrungen ist und sich dort behauptet. In Zoologischen Gärten Europas sind die Haltungserfolge gut. Die in ihrem Bestand bedrohten Wasserrehe Koreas werden in Familien gezüchtet, um eine Ausrottung der dortigen Unterart zu verhindern.

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